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Geschichte

 

Auch nach langem Suchen konnten aus den im Stadtarchiv vorhandenen Unterlagen der Feuerwehr keine Gründungsurkunde gefunden werden. Das Gründungsdatum ist der 08. November 1886!

 

Der Magistrat, Arneburg 09. November 1886

An den Vorsitzenden des hiesigen Männer Turnvereins Herrn Richard Hahn, Wohlgeboren, hier selbst. Wir teilen Euer Wohlgeboren ergebenst mit, dass sich gestern eine Freiwillige Feuerwache hierorts, bestehend aus 25 Mann constituiert hat, welche nächste Woche mit ihren Übungen am Dienstag beginnen will. Da nur dem Turnverein die Benutzung der neuen Turnhalle laut Contract allein zusteht, so ersuchen wir denselben, gestatten zu wollen, dass dienstags abends die Freiwillige Feuerwehr selbige benutzen darf. In derselben sollen, geschützt vor dem Winterwetter die Instruktionen und evtl. Übungen auf der Halle an einer Spritze geübt werden, so dass nach Bedürfnis ein Reck oder Barren solange an die Seite gesetzt werden. Für Beschädigung würde die betreffende Person oder aber die Kameradschaft selbstredend aufkommen. Immer wieder taucht in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts der Männerturnverein in Arneburg als Vorreiter einer Feuerwehr auf.

 

Bedingt durch heftige Gewitter war auch in der Bevölkerung der Wunsch vorhanden, mehr Schutz vor der Gewalt eines Feuers zu haben. Die Erinnerung an den schrecklichen Brand im Sommer 1767 war wohl nicht mehr so lebendig, wurde aber am 18. Mai 1884 wieder aufgefrischt, als ein Blitz in die Nordseite des Kirchendachs einschlug, 34 Scheiben zertrümmerte und einen Balken entzündete. Dieser Brand konnte – Dank einer bereits schon vorhandenen Feuerwache – gelöscht werden. Von dieser Feuerwache gibt es mit dem Datum 30.03.1881 eine Liste. Sie bestand aus 25 Arneburger Männern und 3 Gespannhaltenden.

 

Sicher waren sie nicht geübt, haben aber bereits eine einigermaßene Sicherheit gewährleistet. Von einer ganz anderen Seite wurde aber jahrelang ebenfalls auf die Wichtigkeit und Notwendigkeit einer organisierten Feuerwache gedrängt. Das war die Provinzial-Städte-Feuer-Societät der Provinz Sachsen. Man könnte diese Organisation mit einer Versicherung vergleichen. Wie dann noch deutlich wird, lag der Schwerpunkt auf der Versicherung der Mitglieder der Feuerwehr, wenn sie zu Schaden kommen sollten. Natürlich lag der Versicherung auch daran den Brandschaden so gering, wie möglich zu halten, um die Brandkasse nicht so sehr zu belasten. Aber sie hatten so ihre Erfahrungen. Und die fließen in die Polizeiverordnungen ein, zeigen uns heute aber, was so alles vorgekommen zu sein scheint. Da wird auf das damals ja noch übliche offene Licht hingewiesen, es immer und überall zu beobachten, keine Zigarren oder Pfeifen beim Aufladen und Einfahr von Stein und Stroh zu rauchen. Doch die eigentliche Gründung, deren Datum wir schon kennen, war trotzdem eine langwierige Angelegenheit.

 

Viele Briefe gingen zwischen der Provizial-Städte-Feuer-Societät in Merseburg und dem Magistrat in Arneburg hin und her. Wichtige Fachleute wurden geschickt, um mit dem Magistrat zu verhandeln und die Einrichtung der Feuerwehr zu beschleunigen. Im Sommer und Herbst 1886 geht es dann Schlag auf Schlag. Der Schriftverkehr wurde häufiger und dann kam es durch die Hilfe des Stendaler Schul- und Turnlehrers Diener, der vor allem als Kommissar der Merseburger Feuer-Societät fungierte, zu einem Termin. Kommissar Diener schreibt an den Magistrat: Im Auftrage Hoher Direktion der Provinzial-Städte-Feuer-Societät habe ich vor, am Sonntag, den 7. dieses Monats evtl. nach Arneburg zu kommen um der in Begründung stehenden Feuerwehr bei der Organisation behilflich zu sein. Dieses letzte Gespräch wird dann den Ausschlag gegeben haben und am nächsten Tag, am Montag, den 8.November wird die Freiwillige Stadt-feuerwehr Arneburg gegründet. Sie besteht nach den vorhandenen Unterlagen aus:

  1. Der Freiwilligen Stadtfeuerwehr mit 25 namentlich bekannten Arneburger Männern

  2. Der Bürgerfeuerwehr – bestehend aus Spritzendrückern, Bauhandwerkern und einer Wasserbeschaffungsmannschaft. Dieser Bürgerfeuerwehr sind alle Bürger zwischen dem 18. und 60. Lebensjahr verpflichtet, soweit sie sich im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte befinden.

 

Befreit sind von dieser Verpflichtung:

  1. Staatsbeamte, Pfarrer, Lehrer

  2. Ärzte und Apotheker – wenn sie keine geprüften Gehilfen haben.

  3. Die Beamten des Magistrats

  4. Alle in technischen Fabriken für den Betriebsablauf unabkömmlichen Angestellten

  5. Körperlich Behinderte mit Attest.

 

Die Freiwillige Stadtfeuerwehr übt 1 mal pro Woche. Die Bürgerfeuerwehr übt mit der Freiwilligen Stadtfeuerwehr zusammen 2 x im Jahr.  Und dann gab es die üblichen anfänglichen Schwierigkeiten: Man stellte fest, über keine Dienstordnung zu verfügen. Also bestellte man am 25. November eine solche: Die Direktion ersuchen wir ganz ergebenst uns zwei Exemplare der Normal-Übungs-Ordnung vom 28. Februar 1883 für die hiesige Stadtfeuerwehr gefälligst übersenden zu wollen. Der Magistrat. Aber schon im neuen Jahr 1887 unterschreiben eigenhändig alle 25 Mitglieder der Stadtfeuerwehr, dass sie diese Ordnung zur Kenntnis genommen haben und dieselbe streng einhalten wollen. Ganz so preußisch genau scheint es aber damals in Arneburg noch nicht zugegangen zu sein, denn beim Durchzählen der Unterschriften kommt man nur auf 23. Die Einladungen zu den Versammlungen geschahen auf folgende Weise: Der Schriftführer geht zu allen Mitgliedern mit einem Schreiben, auf dem die Tagesordnung und natürlich Tag und Ort steht. Jedem, der nicht erscheint, wird eine Strafe angedroht.

 

Jeder gibt durch seine Unterschrift zu erkennen, daß er informiert ist (siehe dazu auch analog das 1. Bekannte Protokoll vom 16. April 1888). Auf der Einladung zur Generalversammlung am 27. Februar 1888 Abendsum . 8 Uhr im Gasthof des Herrn Zabbe fehlt nur 1 Unterschrift. Aber das hat einen tragischen Hintergrund. Am 31. Juli 1887 verunglückte bei einem Brand. Aus Unterlagen der der Provinzial-Feuer-Societät der Provinz Sachsen geht hervor: Er bekam jeden Monat 48 Mark Unterstützung und das fast 2 Jahre lang. Vermutlich wäre die Unterstützung nicht gezahlt, wenn es keine Stadtfeuerwehr gegeben hätte und er nur bei Löscharbeiten verunglückt wäre.